Nichts dazugelerntWer hier nichts dazugelernt hat, bleibt offen. Denn würden die Hersteller von Billigreifen keine Abnehmer finden, würden sie den Schrott nicht produzieren. Offensichtlich lassen aber nach wie vor genügend Autofahrer lebensgefährliche Billig-Produkte an ihre Fahrzeuge montieren, denn diese sind ja im Handel. Unwissenheit oder Dummheit? Am Geiz kann es nämlich nicht liegen. Denn der Preis-Unterschied zwischen guten und schlechten Reifen beträgt manchmal nur lausige 20 Euro.
Zwei gängige Reifendimensionen nahm der ADAC für die Saison 2010 unter die Lupe. Zum einen die für Kleinwagen und Kompaktfahrzeuge häufig verwendete Größe 185/65 R15 H (bis 210 km/h zugelassen) und zum anderen das Format 225/45 R17 W und Y (mindestens 270 km/h). Dieses Format gibt es in der Kompaktklasse (Golf) genauso wie in der Mittelklasse (3er BMW), gehört aber meist zur Sonderausstattung, für die beim Fahrzeug-Kauf mehr Geld investiert wurde.
Pirelli vorneDas Geld sollte man nicht versuchen, beim Reifenkauf wieder zu sparen, denn viel Potenzial gibt es hierbei sowieso nicht. So kostet der Testsieger in der Dimension 225/45 R17, Pirelli Cinturato P7, laut ADAC ermittelten Preisen zwischen 100 und 150 Euro pro Stück. Der Italiener schneidet in allen Sicherheitsrelevanten Disziplinen mindestens mit einem „gut“ ab. Beim Verschleiß verpasst er mit der Note 1,6 knapp ein „sehr gut“.
Der billigste Reifen im Test trägt auch gleichzeitig die rote Laterne. Der Sunny SN 3800 trägt zudem eine M+S-Kennzeichnung für Schneeeignung, brilliert jedoch lediglich mit einem geringen Verschleiß. In allen anderen Disziplinen schneidet der zwischen 40 und 80 Euro teure Billigheimer schlecht ab. Eine Katastrophe ist die Nässewertung, bei der aber auch der zweitschlechteste Wanli S-1063 (56 und 80 Euro) versagt. Weitere Negativbeispiele sind der Goodride Neza 200 M+S, der Sava Intensa sowie der Nankang Noble Sport NS-20. Alle fünf Produkte sind speziell beim Nässeeinsatz ungeeignet.
Nichts geht über gute ReifenZu den weiteren Gewinnern der Dimension gehören neben dem erwähnten Pirelli der Dunlop SP Sport Maxx TT, der Conti SportContact 3, der Michelin Pilot Sport 3 und der Bridgestone Potenza RE05 A. Traditionell ist der Michelin dabei der teuerste Vertreter.
Bei der Abmessung 185/65 R15 setzt sich abermals Pirelli an die Spitze, dieses Mal mit dem Cinturato P6 vor dem Nokian H, der vor allem bei den Trocken-Prüfungen brillierte. Aber auch bei Nässe konnte sich der Finne gegen den Drittplatzierten Conti PremiumContact 2, den Dunlop SP Sport Fast Response und den Uniroyal RainExpert durchsetzen. Alle fünf Modelle erhalten vom ADAC das Prädikat „sehr empfehlenswert“.
Keine Überlegung wertEin „nicht empfehlenswert“ errangen der Goodride Radial S06 M+S und der Interstate Touring IST-1 M+S. Dabei sind beide die verschleißärmsten Fabrikate. Leider erkaufen sich die Hersteller diese Wertung mit einer indiskutablen Nässeleistung. Note 5,3 erhielten sie bei den Nass-Fahrversuchen. Beide Reifen gibt es für rund 50 Euro pro Stück. Im Vergleich: Der sehr empfehlenswerte Uniroyal RainExpert kostet laut ADAC-Recherchen zwischen 57 und 87 Euro.
Geiz ist gefährlichDer ADAC Sommerreifen-Test 2010 zeigt aufs Neue, wie gefährlich schlechte Reifen sind und wie wenig mehr gute Reifen kosten. Wer beim Reifenkauf aufs Geld achten muss, sollte besser die Preise von Premium-Reifen bei den Händlern vergleichen, als Blindlinks auf einen Billigreifen zu setzen. Denn Preisunterschiede von bis zu 50 Prozent für das gleiche Produkt sind auch dort möglich und das rechnet sich immer.